Frage von Jerry: Warum werden Schuleinführungen im Westen weniger intensiv gefeiert?
Bis Mitte letzten Jahres war ich davon ausgegangen, dass es deutschlandweit so ist, dass die Schuleinführung neben (weltlicher oder kirchlicher) Jugendweihe und Hochzeit eines der Ereignisse ist, die die gesamte Verwandschaft und alle, die man sonst noch so kennt, zusammenführen und den restlichen Tag in dieser Konstellation zusammenhalten.
Dann durfte ich die Verwirrung eines Westdeutschen miterleben, als ich ihm mitteilte, dass ich aufgrund einer Doppelschuleinführung in der Familie am betreffenden Tag bis allermindestens abends um elf nicht verfügbar bin.

Wie ich inzwischen erfahren habe, beschränkt sich die Sache in vielen Regionen westlich von Elbe und Werra auf die reine Schulzeremonie oder vielleicht noch ein, zwei Stündchen Feier, was in meinen Augen der Einmaligkeit des Ereignisses (die es über Geburtstag oder Weihnachten hebt) wirklich nicht gerecht wird.
Warum?

Beste Antwort:

Answer by John D
Meinst du eine Einschulung? Das ist nix besonderes.

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8 Kommentare zu “Warum werden Schuleinführungen im Westen weniger intensiv gefeiert?”

  1. Maresa sagt:

    Feierst du jeden neuen Job? Schule ist eben einfach Alltagsgeschäft und nicht jeder steht auf große Familiefeiern.

  2. swissnick sagt:

    Vielleicht eine ganz simple Erklärung: Im Westen gab es mehr religiös unterlegte Feiern während des Jahres (wie z.B. Ostern), da war man mit Feiern schon genug bedient…

    Abgesehen davon gibt es auch eine weltanschauliche Komponente: In einem kollektivistischen Land (wie es die DDR war) ist das Einfügen eines Kindes in das Kollektiv ein Grund zum Feiern – aus westlich-freiheitlicher Sicht endet damit die freie Kindheit, also ist das eher ein trauriger Tag.

    Die Tradition wurde wohl im Osten aufrecht erhalten, obwohl die passende Staatsstruktur nicht mehr existiert.

  3. bcgarrett72 sagt:

    Komm mal hier nach Amerika , da interessiert das niemanden . Am ersten Schultag lieferst du dein Kind im Klassenzimmer ab , manches Kind wird noch nicht einmal gebracht und fährt mit dem Schulbus zum ersten Schultag …
    Als meine Tochter ihren ersten Schultag hatte , stand ich mit meinem Mann im Klassenzimmer und wir dachten es gäbe eine Art Einführung , oder ähnliches . Nach etwa 10 Minuten mussten wir gehen und meine Tochter schaute mir zweifelnd nach … Hier gibt es auch keine “Schultüte” oder ähnliches …

  4. ics_tts sagt:

    Nach meiner Erfahrung (20 Jahre im Osten und 20 Jahre im Westen gelebt) ist die Familie im Osten z.Zt. des vergangenen Sozialismus höher bewertet worden. Individualismus war weniger gewünscht als das Wirken in der Gruppe (Kollektiv). Die Belange der Gruppe waren also wichtiger als die des Einzelnen. Die Aufnahme in eine soziale Gruppe wurde dort in der Regel zelebriert, wie z.B. Vorschule, Schule, Pioniere, FDJ, Tanzschule und schliesslich Studium oder Arbeitskollektiv. Das war ganz ähnlich wie Geburtstag, nur eben meist unter Teilnahme der gesamten Gruppe/Familie. Leider wird in Deutschland diesen Ereignissen immer weniger Bedeutung zugemessen und völlig vergessen, dass sie für die Kinder/Jugendlichen eine grosse Bedeutung haben und einen neuen Lebensabschnitt darstellen. Hier herrscht also ein grosses Manko in der derzeitigen Gesellschaft. Das Fehlen solcher Zeremonien sowie die sinnvolle und umfassende “Begleitung” der Kinder/Jugendlichen halte ich für gesellschaftsabhängig.
    Gründe wie Finanzen und Konfession habe ich hier nicht betrachtet ;-)

  5. sarottie90 sagt:

    Hey!
    Als ich in den Westen gezogen bin hab ich mich auch gewundert, dass die Einschulung nicht gefeiert wird.
    Ist wohl keine Tradition.

  6. ridikuel sagt:

    Nun, hier bei uns (nicht nur Westen, sondern auch NIedersachesen) wurde das tatsächlich nicht als soo großes Ereignis gefeiert. Wir haben aber durch die Kirche auch noch die 1. hl. Kommunion und Firmung bzw. Konfirmation bei den Protestanten. Ich kenne hier z.B. auch nicht die Jugendweihe.

    Ich denke auch, daß die Sache mit der Schule zur politischen Gleichschaltung (häßliches Wort oder?) so aufgepumpt wurde. Als ich Kind war, und ‘Mach mit, machs nach, machs besser!’ gesehen habe (ja, wir durften auch ganz offiziell Ost-Fernsehen empfangen), wollte ich doch glatt Pionier (die hießen doch damals so, oder?) werden. Erst als es das nicht mehr gab, wurde ich alt genug, um zu realisieren, was es damit auf sich hatte.

  7. häschen sagt:

    Bei uns gibt es zur Einschulung einen ökumenischen Gottesdienst, danach noch eine Begrüßungsfeier in der Schulaula und anschließend werden die Kinder ihren Klassenlehrer/innen zugeteilt und begeben sich in die Klasse. Zur Einschulungsfeier kommen die Eltern mit, auch die Großeltern sind eingeladen (wenn sie es denn einrichten können).
    Für Eltern und anwesenden Großeltern gibt es dann, wenn die Kinder in ihrer Klasse sind eine kleine Informationsstunde und dann können die Eltern ihre Kinder in der Klasse abholen und nach hause fahren. Zu hause wird dann noch die Schultüte ausgepackt und das wars!
    Wir haben dann anschließend noch das Lieblingsessen gekocht, aber ansonsten war der Nachmittag ein Tag wie jeder andere auch!
    Ist doch auch nur eine Einschulung, ab diesem Tag gehen die Kinder doch jeden Tag in die Schule!
    Habe aber auch von Bekannten aus dem Osten unseres Landes gehört dass dieser Tag dort mit viel Tamtam gefeiert wird.
    Warum das so ist weiß ich leider auch nicht, vielleicht liegt das daran das es im Osten früher nicht viel zu feiern gab und jedes noch so kleine Ereignis zu einer großen Feier aufgeputscht wurde weil man ja sonst nichts hatte!
    Aber im Prinzip ist es doch eigentlich auch egal wie jede Familie diesen Tag begeht, kann doch jeder machen wie er will!

  8. Mutter Schagalla sagt:

    Die Schule ist kein Zäpfchen, das eingeführt werden muß. Die Einschulung wird immer noch angemessen “begangen”:

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